LESERBRIEF zu"Es gibt keine Propheten mehr" in "idea" 26/2015, Seite 43

Epheser 2,20 und 1. Korinther 14,1

 -  Kategorien: 1. Korinther | Epheser | Neues Testament

Ich möchte diesen Leserbrief nicht unkommentiert lassen, denn er ist äußerst gefährlich:

Detlev Knabe, vielleicht ist er der Anwalt aus Berlin, der im Internet zu finden ist, schreibt dort:

„Mit dem Abschluss der Bibel ist diese Gabe nicht mehr existent (Epheser 2,20). Diejenigen, die etwas anderes behaupten, täuschen sich selbst und andere.“

Ich setze voraus, daß Herr Knabe an die Irrtumslosigkeit der gesamten Heiligen Schrift glaubt, sonst lohnt sich keine weitere Abhandlung, weil sonst auf 2 unterschiedlichen Ebenen disputiert würde.

„Der Abschluss der Bibel“ wird von mir als das Jahr 367 verstanden, in dem Bischof Athanasius von Alexandria die 27 Schriften des NT festlegte.

Da er auf Epheser 2,20 abhebt, um seine Aussage zu beweisen, schauen wir uns diesen Vers doch mal an:

„Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist.“

DAS schrieb der Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus. War das VOR oder NACH dem Jahr 367? Es dürfte streitfrei feststehen-  VOR dem Jahr 367.  Nun hat Herr Knabe 2 Möglichkeiten, diesen Vers zu verstehen:

„die Grundlage… der Propheten“ – die Propheten, von denen dieser Vers spricht, sind „DIE“ AT-Propheten – Jeremia, Jesaja, Obadja und alle anderen, die zum Alten Bund gehören, die immer wieder von unserem Herrn JESUS zitiert wurden in seinen Reden, auf die ER immer wieder Bezug nahm, deren Autorität ER immer wieder unterstrich und betonte. Dann sagt dieser Vers aber NICHTS aus über die Propheten des Neuen Bundes, - von Agabus angefangen in Apostelgeschichte 11 über die zahlreichen Propheten, die namentlich nicht genannt werden in Apostelgeschichte 13 bis – natürlich – zu den Propheten, die nur eine Seite weiter erwähnt werden: Epheser 4, 11 ff: „und   e r    hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, adere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannsreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.“ Wer glaubt, daß der Leib Christi das alles schon erreicht hat, und schon dahingelangt sei, hat natürlich Grund, zu glauben, daß wir die genannten Dienste und Gaben nicht mehr benötigen. Aber wer glaubt, daß wir das Ziel immer noch nicht erreicht haben, wird sich doch freuen, daß   e r   diese gegeben hat. „Ja, damals, und nun hat das alles aufgehört!“ höre ich als Antwort schon: „Dann muß aber bitte auch konsequent geglaubt werden, daß es keine Apostel, keine Propheten, keine Evangelisten, keine Hirten und keine Lehrer mehr da seien“. Dann sind aber alle „Pastoren“ – ja, was – falsche Hirten? Irrlehrer? Und Billy Graham, und Ulrich Parzany – keine Evangelisten, sondern „blinde Blindenführer“, oder was? Und wer glaubt, daß „nur“ die Propheten aufgehört hätten – die Apostel aber auch oder nur ein paar nicht oder wie? Wer zieht da WO die Grenze? Und derjenige, der das tut, muß dann aus seiner Bibel etliches rausschneiden – davon mehr weiter unten.

„die Grundlage…der Propheten“ – die einzige Alternative, diesen Vers zu verstehen, die ich sehe, ist: Die Propheten, die bis zu diesem Tag aktiv waren und sind: Also alle AT-Propheten und alle NT-Propheten: 1. Korinther 12, 28ff: „Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens andere als Propheten, drittens als Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen. Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben alle Wunderkräfte? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus? Eifert aber um die größeren Gnadengaben!“ Nicht zu schreiben von den zahlreichen Aufforderungen, Geboten, Anweisungen, nach Prophetie zu streben, ja, sogar zu EIFERN (manche sind bei der Sportschau eifriger und „strebender“ dabei als im Gottesdienst – kyrie eleison!) im 1. Korintherbrief ab Kapitel 12 geht es ja deutlich darum – bis Kapitel 14 mindestens. „Ja, das waren ja die chaotischen Korinther, die hatten solche Lehren auch nötig,  WIR nicht mehr, weil wir ja die Schrift haben!“ höre ich als Gegenargument: „Dann muß aber auch aufgehört werden mimt Abendmahls-Feiern, denn NUR im 1. Korintherbrief steht die „Anleitung“ dazu, weil dann ja konsequenterweise der 1. Korintherbrief aus  dem NT entfernt werden müßte. Wenn diese in Epheser 2,20 erwähnten „Propheten“ alle bis zu dem Zeitpunkt dieses Briefes-Abfassens tätige (in Gottes heiligem Aufrag!) gemeint sind, dann erhebt sich ja die Frage, ab wann genau denn „diese Gabe nicht mehr existent“ gewesen sein soll – an diesem bestimmten Tag des Konzils in 367? Und die Propheten, die einen Tag vorher noch lebten, waren plötzlich nicht mehr Propheten oder wie? Oder starben die plötzlich alle gleichzeitig? Oder hörten die auf, den Heiligen Geist zu haben und Gott zu dienen? WUSSEN die denn alle von diesem Konzil? HATTEN denn auch schon alle an diesem Tag die 27 Schriften vorliegen? Das ist doch alles absurd, solcherlei Überlegungen anzustellen! Und ganz besonders häufig wird dann ja Bezug genommen auf 1. Korinther 13, 8: „Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen (Prophetien – selbes Wort im Griechischen, nur unterschiedlich übersetzt), sie werden weggetan werden; seien es Sprachen (Zungen), sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise; wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“ Und die Anticharismatiker und Antipfingstler, die  nicht genügend überlegt haben, meinen dann, sagen zu können: „„das Vollkommene“ ist der Kanon des NT.“ Dann bitte aber auch den Vers vorher mit einbeziehen: Wer das also in der beschriebenen Weise glaubt, muß dann auch so konsequent sein, bitte, zu glauben, daß auch „die Erkennntis“ aufgehört hat – nämlich seine EIGENE, diese Dinge betreffend.

Was wird in diesem Leserbrief gegen und über alle diejenigen geschrieben, welche sich darum bemühen, 1. Korinther 14, 1 zu gehorchen? Sind das alles falsche Propheten? Oder haben die alle Lügengeistern geglaubt? Wenn man sich manche solcher Leute anschaut, und ihre FRÜCHTE betrachtet, kommt man aber zu ERHEBLICH anderen Schlüssen!! IHR Maß an Hingabe an Gott, Zeit, Geld, Aufwand, „Bemühungen der Liebe“ stellen vieles in den Schatten von ach so manchem Kritiker. Niemand kann ja dem anderen vorschreiben, was er glauben soll und was nicht. Dann soll jeder bitte aber auch den Mut haben, zu sagen: „ICH persönlich glaube NICHT, daß Epheser 4, 11 noch gilt und 1. Korinther 14, 1.“ Was aber NICHT in Ordnung ist, - und deshalb dieser Leserbrief – ist: Dann per wilder Konstrukte, die keiner gedanklichen, logischen Prüfung standhalten, zu behaupten, die BIBEL und oder das NT würde das aussagen. Das stimmt – Gott sei Dank – NICHT! Denn solche, immer und immer wieder unhaltbaren und immer zu widerlegenden, Behauptungen verunglimpfen alle Heiligen und Jünger Jesu, DIE das glauben und praktizieren und führt GEFÄHRLICH – jetzt schließt sich der Leserbrief – an die Sünde wider den Heiligen Geist heran, die NICHT vergeben wird in diesem und dem kommenden Zeitalter. Also VORSICHT!!! Lieber etwas mehr Toleranz und liebevolle Geduld, als das Kind gleich mit dem Bade auszuschütten – DAS ist mein Rat.

„Propheten in der Bibel sprachen im Namen Gottes ohne jeglichen Fehler das Wort Gottes“ behauptet Herr Delev Knabe. Aber stimmt diese Aussage?

Wieso wurden denn dann zur Zeit des Apostels Paulus die Gemeindeglieder in Korinth angewiesen, „Propheten laßt zwei oder drei reden, die anderen aber sollen beurteilen(richten)!“ Vor dem Hintergrund von Vers 1 und 39 desselben Kapitels (1. Korinther 14) muß verstanden werden: Es gab „Propheten“, die dieses AMT innehatten, und trotzdem sollten ihre Aussagen „beurteilt, geprüft“ werden. Von wem? Na, von denen, die dazu in der Lage sind! Denen die Leitung der Gemeinde anvertraut wurde von Gott. Und dann gibt es alle anderen, die nicht „von Amts wegen, als Dienstinhaber“  reden, sondern „normale Gemeindeglieder“ – und diese alle, WIR ALLE -  s o l l e n   nach Weissagung trachten, danach streben, uns danach ausstrecken, uns um sie bemühen, danach trachten, darauf sinnen. NATÜRLICH ist alle göttliche Weissagung und Propheten immer kongruent mit dem geoffenbarten Wort Gottes, „der gesamten Schrift“, - keine Frage! Aber wir benötigen – so bitter – BEIDES: SCHRIFT u n d  GEIST! Glauben wir wirklich noch allen Ernstes, daß wir sonst den starken endzeitlichen, antichristlichen Strömungen genügend entgegenzusetzen haben? Sind wir noch ganz bei Trost?!?

Und was ist mit 1. Könige 13?

Und was ist mit Bileam?

Und wieso sagt der Herr JESUS immer wieder, daß im alten Israel die Propheten Gottes umgebracht wurden? Und eben NICHT „nur“ diejenigen, die nachweislich Verkehrtes prophezeiten?  Wohl wahr ist, daß auch heutzutage nicht-eingetroffene Prophetien abgegeben wurden, für die NICHT Buße getan wurde, - das ist eine Schande und da  entstand Schuld, leider! Aber die Tatsache, daß in Porsches relativ mehr Menschen verunglücken als in einem Fiat 500, heißt doch nicht, man solle  alle Porsches verschrotten, oder?

„Gäbe es Prophetie in Gemeinden heute, so müssten diese Worte aufgeschrieben und die Bibel ergänzt werden.“

Dann wäre ja in Korinth bändeweise Ergänzendes zum NT-Kanon entstanden….?

Der letzte Vers des Johannes-Evangeliums antwortet noch deutlicher.

Saul weissagte doch auch stundenlang – sogar nackt!  Wo stehen denn SEINE Weissagungen aufgeschrieben?

Die „Prophetenschüler“ lernten, übten – machten bestimmt auch Fehler – wie das bei Schülern zu sein pflegt – wo stehen DEREN ganzen Weissagungen/Prophetien denn?

„Wer da redet, rede es als Wort Gottes“ – was für eine Aussage! Der (en ekklesia) Redende soll sich also der Verantwortung bewußt sein, und es als von Gott geschicktes, gesendetes Wort reden. (!!!)

Vor diesem Hintergrund ist es sehr hohe Verantwortung, wenn jemand eine Weissagung beginnt mit dem Wortlaut: „So spricht der HERR….“ – wohl wahr! Es empfehlen sich andere Einleitungen, die sich der Fehlbarkeit bewußt sind und das auch zum Ausdruck bringen.

Aber mit dem Mißbrauch und den Fehlern auch gleich alle Prophetie mit dem Bade auszuschütten, ist doch nur das Ziel aller feindlichen Strategie: Entmutigung, Resignation, Verzweiflung, Zweifel, Aufgabe.

 

Benoni E. Martin

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